Regionalgeld - Small is beautiful

Es gibt viele gute Ideen zu regionalen Stoffströmen, zu ökologischem Bauen und allgemein zu nachhaltigem Wirtschaften. Warum also werden diese Ideen nur sehr schleppend beziehungsweise gar nicht umgesetzt? Oft kommt schlussendlich die Antwort, es rechnet sich nicht! Aber wenn etwas eigentlich sehr vernünftig und sowohl für den Menschen als auch für seine Umwelt gut ist, warum rechnet sich das dann nicht? Ganz einfach, weil schlechtere Lösungen beziehungsweise der Status quo schneller einen Gewinn einbringen. Dieser ist dann zwar nur monetär, aber “Geld regiert die Welt“. Mit anderen Worten, das momentane Geldsystem ist sehr stark darauf ausgelegt Geld zu vermehren und egal was dieses Ziel am effizientesten erreicht, bekommt Vorrang.

Natürlich lassen sich solche Tendenzen politisch eingrenzen und es ist auch möglich sinnvolle gesellschaftliche Prozesse zu fördern, selbst wenn sie sich kurzfristig nicht rechnen. Jedoch steht es damit zur Zeit nicht sonderlich gut. Zum einen werden milliardenschwere Fehlinvestitionen von außer Rand und Band geratenen Spekulanten mit Steuergeldern gerettet, während gleichzeitig ganze Volkswirtschaften mit einer Kasperle-Ökonomie à la Schwäbische Hausfrau zu Grunde gerichtet werden. Dieses Versagen der Politik, man könnte problemlos auch von einem Verrat am Volk sprechen, stößt bisher kaum auf Wiederstand. Und die wenigen Aufklärer im Lande resignieren fast an der übermächtigen Volksverdummung der Massenmedien.

Nun lohnt es immer sich politisch zu engagieren, schließlich muss der dēmos aktiv sein um zu herrschen. Die Frage ist bloß, ob der Fokus auf unser Spitzenpersonal im Bund, in den Ländern und in den Gemeinden zum gewünschten Erfolg führen kann. Schließlich sind viele dieser Entscheidungsträger, ebenso wie die Massenmedien, korrumpiert durch oder abhängig vom Geld, beziehungweise von den Personen, welche es kontrollieren. Müsste man sich da nicht lieber fragen ob das bestehende Geldsystem für diese Zustände verantwortlich ist und wenn ja, ob es Alternativen zu diesem System gibt?

Als ein großes Problem des aktuellen Geldsystems wurde der Zins inklusive Zinseszins identifiziert, welcher zu einer exponentiellen Vermehrung des Geldes führt. Problematisch ist dies, weil die Wirtschaft nunmal nicht ewig exponentiell mitwachsen kann, ebenso wenig wie der beteiligte Ressourcenverbrauch. Nach dieser mathematisch einwandfreien Diagnose kommt es auch zur Anreicherung von rießigen Vermögen an vergleichsweise wenigen Stellen (außer Rand und Band geratene Spekulanten). Dem könnte man natürlich politisch entgegenwirken, aber wie gesagt, das scheint momentan unwahrscheinlich. Als Alternative werden Geldsysteme ohne Zins vorgeschlagen und auf regionaler Ebene wurden sie schon mehrfach umgesetzt. Die meisten Regio-Gelder haben sogar einen Negativ-Zins, das heißt eine automatische Abwertung, welche die Umlaufgeschwindigkeit erhöht und dem Horten von Geld entgegenwirkt. Wenn man das Tauschmittel Geld als Schmiermittel der Wirtschaft begreift, so macht dies durchaus Sinn.

Mehr Informationen zu regionalen und sektoralen Geldsystemen finden sich bei Prof. Dr. Margrit Kennedy, welche sich viele Jahre mit Geldsystemen und möglichen Alternativen beziehungsweise Ergänzungen beschäftigt hat. Eine ganz spezielle Form des Regio-Geldes wurde von Konstantin Kirsch entwickelt. Es handelt sich dabei um den “Minuto“, welcher selbst geschöpft wird und keinen zentralen Verwaltungsaufwand verursacht. Noch mehr als die meisten Regio-Gelder, kann der Minuto zur Vernetzung von Menschen beitragen und bisher ungenutzte Potentiale heben (Zusammenfinden von Fähigkeiten und Bedürfnissen). Das folgende kurzweilige Video erklärt das Konzept recht ausführlich.

Minuto-Vortrag auf Youtube

Komplementärwährungen können nicht die Lösung für schlechte Politik sein, aber sie haben das Potential politische und damit auch wirtschaftliche Fehlentwicklungen abzupuffern und positive Projekte voranzubringen. Und damit könnten sie eventuell wieder zu einer Politik führen, die das langfristige Wohlergehen der Bevölkerung im Blick hat, inklusive nachhaltigem Stoffstrommanagement.