Bilanz des Reisens

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Wenn wir reisen setzen wir nicht nur uns selbst in Gang, sondern meist auch diverse Stoff- und Energieströme. Deshalb müssen wir uns nicht gleich schlecht fühlen, schließlich bringt das Reisen ja auch was ein. Der Volksmund sagt “Reisen bildet” und Albert Camus hat dem noch eins draufgesetzt indem er formulierte “Das Reisen, das gleichsam eine höhere und ernstere Wissenschaft ist, führt uns zu uns zurück“.

Das ist alles sehr schön, aber kann man Reisen eigentlich objektiv bewerten? Lässt sich mit einer Kosten-Nutzen-Betrachtung feststellen ob eine Reise oder das gesamte Reiseverhalten gewinnbringend ist?

Ja, das lässt sich machen! Dies erfordert jedoch die Sammlung von relativ vielen Daten und zusätzlich noch die Bewertung dieser. Denn schon allein wie Kosten und Nutzen definiert werden entscheided über das Ergebnis einer Bilanz. Beziehe ich nur direkte Geldausgaben ein, oder auch die monetären Kosten der Reisezeit bzw. die dabei verursachten Emissionen? Wie sieht es mit möglichen Gewinnen an Reisekomfort oder geistig-seelischer Erquickung aus? Um solch unterschiedliche Belange bilanzieren zu können, müssen sie zahlenmäßig vergleichbar sein. Daher muss eine gemeinsame Einheit gewählt werden, sehr oft wird diese in Geldwerten ausgedrückt. Alle anderen Werte müssen in diese Einheit umgerechnet werden, insofern sie nicht schon in dieser vorliegen.  Bei der Reisezeit müsste man also mit dem monetären Wert einer Stunde rechnen. Die meisten Unternehmen können dies bis auf den Cent genau kalkulieren, ob dass dann der Realität entspricht ist natürlich eine andere Frage. Bei den Emissionen müsste man ebenso deren monetäre Kosten einfließen lassen. Spätestens hier kann man fünf Leute fragen und mindestens sechs verschiedene Antworten erhalten. Von der geistig-seelischen Erquickung will ich erst gar nicht anfangen.

So eine Bilanz kann also unter Umständen zu etwas sehr komplexem ausarten. Sie wird dann zwar immer noch ein Ergebnis liefern, dieses wird jedoch aufgrund der vielen zugrunde liegenden Daten und Bewertungen nur schwer erfassbar sein. Mitunter besteht auch die Möglichkeit sich hinter solchen Komplexitäten zu verstecken und unerwünschte Belange aus dem Wust von Daten herausfallen zu lassen oder sie so zu bewerten, dass ihr Einfluss auf das Ergebnis sinkt. Gleiches geht natürlich auch mit der Höherbewertung anderer, erwünschter Belange. Da ist es oft besser sich auf eine begrenzte Zahl von Daten zu konzentrieren und eine kleine persönliche Bilanz mithilfe des gesunden Menschenverstandes durchzuführen bzw. durchführen zu lassen.

Voyages 2012Weil ich letztes Jahr nach meiner gefühlten Einschätzung (zu) viel unterwegs war, habe ich mal alle Reisen die länger als einen Tag dauerten, beziehungsweise die über einen Radius von 200 km um Weimar hinausgingen, in einer Karte dargestellt. Diese ist überwiegend für mich interessant, da sie das letzte Jahr in vielen kleinen Punkten und Linien zusammenfasst. Hinter diesen Pixeln verstecken sich natürlich vielfältige Erfahrungen und Eindrücke, welche die Karte für den Außenstehenden nicht vermitteln kann. Dennoch lässt sich zumindest feststellen das auf Flugreisen verzichtet wurde und das möglicherweise private mit dienstlichen Reisen kombiniert wurden. Ersteres entsprang einem Jahresvorsatz für 2012 und letzteres hat den Nutzen der Reisen erhöht bzw. teilweise erst möglich gemacht. Denn, obwohl man von Deutschland mit dem Zug nach Sevilla fahren kann, ist das im Vergleich zum Flugzeug (leider) zu teuer. Dies betrifft sowohl das Ticket, als auch die Reisezeit und daher lässt sich so etwas kaum dienstlich abrechnen.

Aus dieser kleinen persönlichen Bilanz lässt sich gut dokumentiert ableiten, dass der Jahresvorsatz für 2012 erfüllt wurde. Darüber hinaus basiert darauf der Jahresvorsatz für 2013, weniger weit zu reisen und sich mehr auf die Heimatregion zu konzentrieren. Es gibt zwar weiterhin viel zu sehen und zu lernen, und dies in ganz Europa bzw. in der ganzen Welt, aber wie Goethe schon sagte “Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!”

Creative Commons LizenzvertragBilanz des Reisens von Daniel Meyer-Kohlstock ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

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