Optimieren durch Kombinieren

Wie in jedem Ökosystem gibt es auch für jede Technologie immer bestimmte Nischen beziehungsweise Anwendungen die diese besetzen können und die durch spezifische Stoff- und Energieströme ausgezeichnet sind. Der Frühlingsblüher im Laubwald nutzt so lange das verfügbare Sonnenlicht, bis sich das Kronendach schließt und so nutzt auch die Trombe-Wand die Sonne gerade zu einer Zeit in der sie weniger reichlich scheint. Beide Elemente nutzen also nur recht wenig der über das Jahr vorhandenen Ressourcen, man möchte meinen, sie seien ineffizient. Aber im System zusammen mit allen anderen Elementen, sei es nun im Ökosystem Wald oder in einem Haus mit vielseitiger Umweltenergienutzung, reien sich diese Einzelelemente in ein hoch effizientes Gesamtsystem ein. Die Natur zeigt uns was mit guter Kombination möglich ist, der Mensch muss es im Grunde nur nachahmen.

Tomatenhaus-Hochbeet-Kombi Ein kleines Beispiel für solch eine Nachahmung ist die Kombination aus Tomatenhaus und Hochbeet. Meine Frau lieferte die Idee zu dieser Konstruktion und gemeinsam haben wir die Konstruktion geplant und ausgeführt. Der wohl größte Kombinationsvorteil besteht in der Tatsache, dass Tomaten keinen Regen mögen (ansonsten mieslaunig und braunfäulig) und das Hochbeete meist recht durstig sind. Wie im Bild dargestellt ergießt sich nun das Wasser, welches nicht mehr auf die Tomaten niedergeht in die seitlichen Hochbeete. Und obwohl diese sehr viel Wasser aufnehmen können reichen sie den Überschuß in den darunterliegenden Boden weiter (offenes System), in welchen die Tomaten ihre Wurzeln ausbreiten. Also, Tomaten bleiben oben trocken, werden aber trotzdem mit Wasser versorgt und das Hochbeet bleibt auch schön feucht. Eine klassische Win-Win-Win-Situation!

Übrigens wurde fast der komplette Grünschnitt eines Jahres in den Hochbeeten verbaut. Dort gibt er dem Kompost-Pflanzenkohle-Erd-Gemisch Struktur und wird in den folgenden Jahren langsam abgebaut. Es gibt noch viele andere Verwendungsmöglichkeiten für Grünschnitt (z.B. für eine Benjeshecke, zur Pflanzenkohleherstellung, oder gehäckselt als Mulchmaterial), aber im Hochbeet ist es immer noch besser aufgehoben als im (vielerorts verbotenen) offenen und rauchigen Kleinfeuer.

Zurückblickend auf das Gartenjahr 2012 hat sich der Bau dieser Technologiekombination voll gelohnt. Nicht nur hat sie für eine tolle Ernte von Tomaten, Paprika, Salat und diversen Gewürzen gesorgt. Nein, das Beste war wohl das lässige Lehnen am Hochbeet, in der einen Hand eine Tasse Kaffee und mit der Anderen fachmännisch den ein oder andern unerwünschten Begleitwuchs entfernend. Das nenn ich Gärtnern!